Piazza e monumento
Alessandro Nova und Brigitte Sölch Die Platzanlage: ein komplexes Raum-Zeit-Gebilde Die Forschergruppe untersucht die Platzanlage als urbane Formung und Repräsentation. Das Wissen über das soziale und kulturelle Gefüge der Stadt wird mit der kunsthistorischen Frage nach dem Raum verknüpft. Damit kann die Gestaltung des Platzes, aber auch dessen Wirkung für die Stadt erfasst werden: Der Platz ist kein Vakuum oder eine frei gelassene Fläche, sondern ein vielfach codierter Außenraum, der durch Architektur, aber auch in weiteren Medien, oftmals über längere Zeit und mit wechselnden Strategien eingerichtet wird. Die Verankerung des Platzes in der Struktur der Stadt ist ein Moment der Bedeutungskonstitution, das die Kunstwissenschaft mit ihren besonderen Möglichkeiten der formalen Analyse zu beschreiben versteht. Der Platz wird einer isolierenden Betrachtungsweise enthoben, welche die Stadt nicht als erfahrene und gelebte Einheit verstand, sondern auch hier häufig nach dem säuberlich bereinigten Werk gesucht hatte. Stattdessen verfolgt die Gruppe einen integrativen Ansatz, der den Platz als Produkt räumlicher Relationen begreift ("Piazza e monumento"). Plätze entstammen selten einem festen 'concetto', sie sind meist ein Beispiel für die 'longue durée' einer Gestaltung, an der nicht nur wechselnde Akteure teilhaben, sondern an der vor allem auch in unterschiedlichen zeitlichen Bezugnahmen gebaut wird. Damit erweist sich der Platz als ein komplexes Raum-Zeit-Gebilde, das entsprechende Anforderungen an die Methodik stellt. Der Platz als gestalteter und sozialer/politischer Raum Ziel des Projekts ist eine Geschichte europäischer Plätze, die in fallbezogenen und vergleichenden Analysen die Gestaltung eines der wichtigsten Elemente des öffentlichen Raumes zeigt. Soziale Räume sind das Produkt wechselseitiger gesellschaftlicher "Beanspruchungen" (Simmel). Die Gestaltungen des Platzes werden in dessen ständiger Benutzung aktualisiert und wirken somit unmittelbar auf das kulturelle Gedächtnis der Stadt. Diese in der konkreten Perzeption sich vollziehende Raumbildung, geknüpft an die unterschiedlichen Medien des Platzes (Architektur, Skulptur, Bildwerke), kommt jedoch nicht ohne Ordnungen des politischen Raums zustande. Als baulich-räumliches Gebilde ist der Platz hier eingebettet, wird nach dessen Regeln und in deren Diskursen gestaltet. Ordnungen des politischen Raums prägen den Platz sowohl direkt durch städtische Strukturen wie Straßen, Bauhöhen, architektonische Vorstellungen als auch zeichenhaft durch Bildwerke, Inschriften, Wappen oder ephemere Gestaltungen. Zur Arbeitsweise der Gruppe Diese doppelte räumliche Codierung des Platzes, die seine semantische Dichte erklärt, verfolgen die Einzelforschungen der Gruppe fallbezogen und mit unterschiedlichen wissenschaftlichen Ansätzen, Sichtweisen und Methoden. Die geplante mehrbändige Publikation soll keine chronologische Entwicklungsgeschichte europäischer Plätze bieten, sondern macht die räumliche Konfiguration des Platzes zum Ausgangspunkt. Dieser erscheint in verschiedenen räumlichen Bezugnahmen: als fixer Ort der Stadt, wenn diese mehr oder weniger auf sich bezogen existiert, als Übertragungsmoment in andere politische Einheiten (Territorium, Nation, Kolonien) und als Interaktionsfeld globaler Entwicklungen. Einzelforschungen im Rahmen des Projektes: Niall Atkinson Campanili e piazze: the Sonic Construction of Urban Space As much as they are apprehended by the various manifestations of the "eye" - the period eye, the perspectival eye, the naïve, the critical and the interpreting eye - space and architecture are also experienced aurally. The omni-directional nature of sound distinguishes it from vision. Instead of a fixed, even a moving, searching eye on a quest for a point of view, it is the ear that fully perceives architecture as an enveloping and global enclosure of space. It is an integrated part of the multi-dimensional and embodied modern subject - the searching, thinking, desiring, interpreting, and wondering "I". At the threshold of modernity the visual profile of the Italian commune was punctuated by the emergence of a speaking architecture, which contained the concrete, audible voice of a common urban language. Both civic and religious bell towers ('campanili') were more and less independent architectural monuments, arranging the space around them while assembling the buildings that shaped them into endless variations of the city square, rendering the 'piazza' as the spatial organizing principle of the city. These towers functioned not only as monumental visual nodes but also as spatial acoustic transmitters - radiating out in successive, intensifying, and receding sonic waves. They inflected the way the piazza was formed, experienced, and recorded: they injected it with a temporal dimension, creating multiple zones of legal exclusion, spiritual community, political anxiety, and social identity. Recent research has demonstrated how the acoustic landscape was a fundamental element of social relations and collective identity in pre-industrial societies. As a particularly urban phenomenon, the 'piazza' contained and produced distinctive sounds through which inhabitants effectively communicated, interacted, and related themselves to their built environment. It was precisely within the 'piazza' that they watched and listened and situated their own voices within a dialogue with others. They marked time and found out the latest news, while together they awoke, worked, ate, prayed, fought, bought and sold, were born and died, all within the particular aural cadences of their city. In short, they understood, interpreted, and claimed possession of the piazza by the noises it made. It is clear from documentary sources that Florentines paid close attention to what they heard and saw in their city's 'piazze'. In Florence, just as in any early modern city, the importance and the deep spatial penetration of both the sonic rhythms that characterized the daily acoustic landscape, as well as the 'piazza' that gave those sounds their spatial form, were heavily micro-managed by onerous government legislation, meticulous ecclesiastical provisions, and stubborn local traditions. It was this fractious dialogue between regime and citizen that resulted in a complex urban soundscape that was both universal in its normative framework and entirely particular in its daily resonances. At the heart of this matrix of overlapping acoustic networks - voices, instruments, and bells - lay the 'piazza' itself; modulating whispers, accenting rumours, localizing stories, adorning festivals, intensifying rituals, and even reinforcing political insurrections - all of which continually redefined the relations between the architecture that framed the piazza, the avenues that led into it, the bodies that moved through it, and the monuments that watched over it. Melchior Fischli Platz und Stadtumbau im späten 19. Jahrhundert: die Piazza Vittorio Emanuele in Florenz Das Projekt befasst sich am Beispiel von Florenz mit der Rolle des Platzes im Stadt-umbau des späten 19. Jahrhunderts. Wie in zahlreichen europäischen Städten galten auch in Florenz im ausgehenden 19. Jahrhundert Teile der Altstadt als sanierungsbe-dürftige Elendsviertel. Nach einer längeren Planungsgeschichte mit zahlreichen Pro-jektvarianten wurden hier zwischen 1890 und 1898 weitreichende, vor allem auch von der Bauspekulation begrüßte Sanierungsprojekte umgesetzt. Unter Zerstörung der Quartiere um Mercato Vecchio, den auf das antike Forum zurückgehenden alten Marktplatz von Florenz, entstand dabei ein praktisch durchgehend neues Stadtviertel. Als dessen räumliches, funktionales, aber auch symbolisches Herzstück wurde die neue Piazza Vittorio Emanuele (heute Piazza della Repubblica) angelegt, die in Ge-stalt eines Denkmalsplatzes für den ersten italienischen König die alte Stadtmitte für das aufstrebende Bürgertum in Besitz nahm. Zahlreiche ohne Auftrag erarbeitete und durch Flugschriften, Buchpublika-tionen und auch über die Tagespresse bekanntgemachte Projekte einerseits, wie auch die gegen die Sanierungskampagnen laut gewordenen Proteste anderseits sind Zei-chen einer intensiven öffentlichen Auseinandersetzung mit der Stadt. Ein nicht un-wesentlicher Teil der Forderungen machte sich dabei an der zentralen Platzanlage des neuen Stadtviertels fest, die - wenn auch in unterschiedlichen Formen projektiert - während der langen Planungsgeschichte nie grundsätzlich in Frage gestellt wurde. Das Forschungsprojekt fragt, wie der neue Platz in der Auseinandersetzung zwischen zeitgenössischem Selbstverständnis und der Erfüllung neuer Funktionen, aber auch im Spannungsfeld zwischen der Darstellung von Modernität und Tradition erst seine Gestalt gewann. Damit soll untersucht werden, weshalb nach zeitgenössi-schen Vorstellungen gerade eine Platzanlage diese verschiedenen und bisweilen hete-rogenen Ansprüche an die Stadt auszugleichen vermochte. Stephanie Hanke Platzmangel: Der städtische Außenraum in Genua im 16. und 17. Jahrhundert In der Geschichte der europäischen Stadt war der innerstädtische Außenraum seit jeher ein umstrittenes Gut und stellte in rechtlicher wie sozialer Hinsicht einen Brennpunkt von Konflikten dar. Gerade in der Handels- und Seemetropole Genua war das Bewusstsein um das Problem der öffentlichen oder privaten Beanspruchung und Appropriation von Straßen und Plätzen besonders ausgeprägt, hatte die auf engstem Raum zwischen Meer und Gebirge errichtete Stadt im Unterschied etwa zu den toskanischen Stadtstaaten doch nie einen großen öffentlichen Platz besessen und erst Ende des 16. Jahrhunderts einen repräsentativen Regierungsbau erhalten. Jahrhundertelang hatten Familienclans das politische Geschehen sowie den Stadtraum beherrscht, indem sie sich um kleine, leicht verbarrikadierbare Platzanlagen ansiedelten und damit gleichsam festungsartige 'borghi' innerhalb der Stadtstruktur ausbildeten. Mit der Einrichtung einer oligarchisch geführten Republik und der verstärkten wirtschaftlichen und kulturellen Öffnung Genuas infolge der Allianz mit den spanischen Habsburgern lassen sich jedoch seit dem 16. Jahrhundert zunehmend Umwandlungen dieses mittelalterlichen Stadtkerns beobachten, bei denen private Auftraggeber und Stadtregierung neue Formen von Repräsentation erprobten. Die Erweiterung und Neugestaltung der Piazza Banchi, des wirtschaftlichen und monetären Zentrums in der Nähe des Hafens, stellt hier ein Paradebeispiel dar, an dem das Kräftemessen unterschiedlicher Interessengruppen innerhalb der Stadtgemeinschaft besonders spürbar wird. Das Projekt untersucht die raumformenden architektonischen und künstlerischen Mittel, mit denen neue Platzanlagen geschaffen und bestehende Außenräume an die veränderten Ansprüche adaptiert wurden. Anhand von Quellentexten sollen die Rezeption des städtischen Wandels durch die Zeitgenossen zu verfolgt und die Veränderungen im Verständnis von Öffentlichkeit und öffentlichem Stadtraum analysiert werden. Cornelia Jöchner Der Platz als Eingang in die Stadt. Eine urbane Form des Klassizismus Die Studie analysiert eine Ausprägung des Platzes, die in Europa um 1800 feststellbar ist und im Vergleich italienischer und deutscher Beispiele verfolgt wird. Zu der Zeit weist der Platz eine Entwicklung auf, die sowohl zentrierende als auch axiale, raumüberwindende Momente enthält. Die fürstliche Platzanlage, ein Denkmal integrierend, hatte die beiden Raummodelle miteinander verknüpft, ermöglichte es aber auch, dass der Platz losgelöst von der Fassade des Palastes erscheinen konnte. Dieser Typus wurde ein urbanes Verbindungselement, was bereits auf eine veränderte Stadt zurückgeht, die als Bestandteil eines Territoriums fungierte. In der lang andauernden Phase europäischer Entfestigungen entwickeln sich um 1800 Plätze, die die Verbindung zum Territorium auf direkte Weise wahrnehmen und meist auf ein zentrierendes Monument verzichten. Stattdessen finden sich klassische Elemente des Tores, teilweise in Kombination mit Zollstationen, Kirchenbauten, Bibliotheken und Museen, aber auch Wohnarchitekturen. Auf durchgehende Geschlossenheit des Platzes wird zugunsten locker gesetzter Konstellationen verzichtet. Die neue Weite der Plätze, die als gemeinsames Kennzeichen gelten kann, irritierte die Forschung. Selbst Albert Erich Brinckmann kritisierte, dass solchen Anlagen die Qualität eines Raumes abgingen. Diese prekäre Form des Platzes soll auf einer breiteren Materialgrundlage historisiert werden. Was die ältere Literatur nicht einbezog, war der Kontext einer sich verändernden Stadt, die nicht nur größer wird, sondern nun in einem räumlich definierten Nationalstaat aufgeht und die bisherigen Grenzen der Stadt endgültig obsolet werden ließ. Die Studie verfolgt das Ziel, die Eingangsplätze in die Stadt als Ausdruck neuer Herrschaftsverhältnisse (Restauration der Monarchien), aber auch geänderter urbaner Funktionen (territoriale Infrastruktur, Hygiene, Erholungsbedarf breiter Bevölkerungsschichten) greifbar zu machen. Elmar Kossel Neue Platzanlagen und Stadtumbauten während des Faschismus in Italien Das Forschungsprojekt beschäftigt sich anhand von ausgewählten Beispielen mit Stadtumbauten während des Faschismus in Italien, die mit der Errichtung neuer Platzanlagen verknüpft wurden. Der Modernisierungsschub und Umgestaltungsprozeß, der unter Mussolini in Italien einsetzte, umfasste die gesamte Gesellschaft. Damit betraf er sowohl die Infrastruktur, wie etwa den Ausbau des Eisenbahnnetzes und den Beginn des Autobahnbaus, machte aber auch vor der massiven Umgestaltung von historischen Stadtzentren nicht halt. Die Okkupation des Stadtraumes durch das Regime diente der Manifestation und Demonstration der Macht und wurde durch unterschiedliche städtebauliche Konzepte sowie verschiedene stilistische architektonische Mittel umgesetzt. So findet sich die vollständige Überformung und Neugestaltung von alten Stadtzentren, etwa in Brescia und Rom, inszeniert als Triumph über die Vergangenheit und die Erfüllung der Geschichte unter Mussolini. Aber auch die Entwertung und Inbesitznahme der Altstadt und des umgebenden Territoriums, wie es etwa prototypisch in Bolzano realisiert wurde. In Südtirol wurde durch die Schaffung einer italienischen Neustadt, ausgehend von einem Kristallisationspunkt an der Peripherie der alten Stadt, eine rein italienische Parallelstadt und auch -gesellschaft geschaffen, die fast einer Stadtneugründung gleichzusetzen ist. Das Forschungsprojekt untersucht die massiven Eingriffe in den Stadtkörper, fragt nach den Geschichts- und Raumkonzepten sowie den "Architekturbildern", die jeweils in den konkreten Fallbeispielen von Seiten des Regimes und der Planer aufgerufen wurden. Aber auch Fragen nach sozialer und ethnische Segregation, die maßgeblich für die Kolonialpolitik des späteren "Impero" werden sollten, bleiben dabei nicht ausgeklammert. Alessandro Nova Il monumento e il centro della piazza: lo spazio della città e le sue presenze fantasmatiche La piazza è il risultato di un insieme di fattori che costruiscono e modificano uno spazio pubblico nel corso del tempo. L'ornamento plastico è un elemento fondamentale di questa storia perché la scultura determina nuovi assetti all'interno della città e interagisce con lo spazio e con il pubblico a lei circostante: operando per via di esempi e rifacendosi sia alle fonti dell'età moderna, a partire dal Cinquecento, sia alla teoria d'arte del XIX secolo (Camillo Sitte, Adolf von Hildebrand, August Schmarsow, Heinrich Wölfflin), i temi della ricerca sono i seguenti: il problema del centro della piazza, luogo sensibile e vulnerabile nell'urbanistica di tutte le epoche, e la 'longue durée' delle immagini simboliche create per segnalare l'imporsi di un nuovo potere politico, un gioco di specchi metadiscorsivo dove le presenze fantasmatiche di uno spazio pubblico si ricongiungono ai frammenti che sono giunti sino a noi. Infatti, la storia della conquista progressiva del centro della piazza deve essere affrontata nel contesto della fitta trama di rimandi tra le opere d'arte plastica - prendendo in considerazione anche quelle oggi scomparse - che caratterizza la crescita delle piazze europee nei secoli e ne connota l'iconografia politica. Se vogliamo recuperare per intero lo spazio della città, non possiamo ignorare i suoi fantasmi, anche quelli più scomodi, anche quelli che hanno occupato in modo ingombrante, prepotente e indegno il centro della piazza. Le discussioni sull'organizzazione dello spazio pubblico della città che culminano nei dibattiti teorici di fine Ottocento si accompagnano alle riflessioni del tempo sul ruolo svolto dalla fotografia nella documentazione delle opere d'arte plastica e architettonica. Frithjof Schwartz Die Piazza im Due- und Trecento. Zur ikonografischen Gestaltung früher öffentlicher Räume Im 13. und 14. Jahrhundert sind in der Stadtentwicklung Italiens große Entwicklungsschübe zu beobachten, die demografische Ursachen haben. Mit der Erweiterung der Stadtmauern entstehen in den Kommunen viele neue Plätze, deren Anlage, Funktion und Verhältnis zum topografischen Umfeld andere Züge aufweisen als die Plätze des 11. und 12. Jahrhunderts. Große Stadtstaaten wie Florenz gründen in der Mitte des 13. Jahrhunderts Marktstädte, die um einen Platz angelegt sind. Die ab 1245 in vielen Städten begonnenen Bettelordenskirchen werden mit Plätzen ausgestattet, die in den Akten als Predigtplätze bezeichnet werden. Für die Kommunen wird die Piazza zu einer der wichtigsten Bauaufgaben. Das Forschungsprojekt untersucht die sich in jener Zeit neu konstituierenden Piazze vor ihren gesellschaftlichen Hintergründen. Behandelt werden ikonografische Fragen zu Florentiner Plätzen des Due- und Trecento, die Aufschluss über Mechanismen und Strukturen bei der Ausbildung und Gestaltung des öffentlichen Raums bringen sollen. Noch vor der Piazza della Signoria entstehen in Florenz zwischen 1244 und 1335 große Platz-Anlagen. Weitaus ältere Plätze, wie die Piazza San Giovanni, werden in dieser Zeit neu geordnet und eingerichtet. Ihre amorphe Gestalt wird neu definiert und von Anbauten und Grabmälern bereinigt. Ebenso ist eine ikonografische Neuakzentuierung zu beobachten, die im Wechselverhältnis von Autoritätsverlust, Machtbehauptung und Einflussnahme gesellschaftlich konkurrierender Institutionen und Gruppen entsteht. Im Fall der Piazza San Giovanni liegen die Ursachen im Verfall bischöflicher Macht und in dem Ausbau kommunaler Kompetenzbereiche. Der Baptisteriumsplatz hatte bis etwa 1240 als kirchlicher Hauptplatz in Florenz eine unangefochtene Sonderstellung. Bei der neuen Anlage ab 1290 wurde die umliegende Bebauung erneuert und die Platzgrenzen neu bestimmt. Auftraggeber und ausführende Behörde ist die Signoria, die dabei in Rechtsbereiche des Kanonikerstiftes San Giovanni eindringt. Bis weit ins 14. Jahrhundert siedeln sich einflussreiche Institutionen, wie Bruderschaften, um das Baptisterium an und gestalten den Platz durch Architektur, Skulptur und Malerei. Unter Bischof Silvestri wird um 1330 der Zenobius-Kult wieder belebt. Die alte Säule (9. Jh.) beim Baptisterium, zentraler Gedenkort des Florentiner Bischofsheiligen, wird zum Ausgangspunkt dreier weiterer Säulenmonumente auf anderen Kirchplätzen, die nun in eine inhaltliche Verbindung zur Piazza San Giovanni treten. Im Rahmen der Einzelstudie sollen die Veränderungen des Baptisteriumsplatzes im 13. und 14. Jahrhundert untersucht werden. Damit eng verknüpft ist die Analyse der Tradition von Säulenmonumenten in Florenz und der Funktionalisierung des Zenobius-Kultes. Die Studie charakterisiert die Piazza des Due- und Trecento als bedeutendstes Element des Städtebaus in Italien und definiert ihre gesellschaftlichen Mechanismen. Brigitte Sölch Die (früh)neuzeitliche Forumsidee und das Ideal der 'res publica'. Zum Verhältnis zwischen Architektur und Öffentlichkeit im urbanen Raum Das Habilitationsprojekt untersucht die frühneuzeitliche Forumsidee als architektonische, urbanistische sowie bildliche Aneignung und Imagination eines antiken Modells durch verschiedene Regierungs- und Verfassungssysteme. Ziel der Studie ist es, das Forum als ästhetisches Raumphänomen und als öffentlichen Handlungsraum zu diskutieren, der das Gemeinwohl und die Ordnung des Gemeinwesens paradigmatisch versinnbildlicht. Zentraler Gegenstand der Untersuchung ist deshalb die Frage, welche Konsensleistungen das frühneuzeitliche Forum zugunsten der 'res publica' erbringt. Die Frage ist angesichts der explosionsartigen Verbreitung und Applikation des Forumsbegriffes auf eine Vielzahl öffentlicher Bauprojekte aktueller denn je. Dass Camillo Sitte bereits das "verschwundene Ideal" des Forums als festsaalartiger urbaner Binnenraum und als Zentrum des öffentlichen Lebens in 'Der Städtebau nach seinen künstlerischen Grundsätzen' (1889) zu aktualisieren suchte, führt zu einer zentralen Problemstellung des Projektes, die nach den historischen Implikationen, dem Wandel der Forumsidee und des damit verbundenen Stadt- und Geschichtsbildes fragt. Ausgangspunkt der Studie ist die italienische Architekturtheorie und Urbanistik des späten 15. bis frühen 17. Jahrhunderts. Innerhalb dieser Zeitspanne zeichnen sich zunächst in Italien und sodann auch im europäischen Kontext vielschichtige und folgenreiche Rezeptions- und Transformationsprozesse der antiken Forumsidee ab. Planung, Bau und Ausstattung frühneuzeitlicher Fora wurden aber keineswegs nur in Auseinandersetzung mit der vitruvianischen Überlieferung einer queroblongen, durch Portiken parataktisch vereinheitlichten Platzanlage entwickelt. Die Forumsidee manifestierte sich auch in Skulptur- und Ausstattungsprogrammen öffentlicher Plätze sowie in einzelnen kommunalen Bauaufgaben wie z. B. Rathäusern, Tribunalspalästen und repräsentativen Marktgebäuden. Es ist deshalb zu fragen, welche individuellen Funktionen, Bautypen und Ausstattungszusammenhänge des antiken Forums in diesen zeitgemäßen Adaptionen reflektiert und neu interpretiert wurden. Bis zur vollständigen Ausgrabung des Forum Romanum im 19. Jahrhundert bestand zwar eine wissenstopografische Leerstelle, die in erster Linie auf der Basis von Vitruv geschlossen wurde. Über Vitruv hinaus ermöglichten die Antikenzeichnungen und -studien der erhaltenen Ruinen und die philologische und numismatische Überlieferung aber auch zunehmend differenzierte und zugleich idealisierte Lesarten der einzelnen Fora - von den republikanischen bis zu den kaiserzeitlichen Anlagen, von ihren merkantilen und administrativen bis hin zu ihren kulturellen und zeremonialen Bauten, Bild- und Handlungsräumen. Dass das frühneuzeitliche Forum daher durch bewusst selektierte Antikenallusionen republikanisch oder imperial konnotiert und zum 'exemplum' konträrer politischer Idealvorstellungen werden konnte, bildet die Problemstellung des Forschungsvorhabens.
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Collaboratori
Alessandro
Nova
Brigitte
Sölch
Stephanie
Hanke
Elmar
Kossel
Niall
Atkinson
Melchior
Fischli
Cornelia
Jöchner
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