Die Casa Zuccari, seit 1987 im Besitz des Kunsthistorischen Instituts von Florenz, liegt an der Ecke zwischen der vormaligen Via del Mandorlo (heute Via Giuseppe Giusti) und der Via dell'Orto dei Servi (heute Via Gino Capponi). Die Gärten der Anwesen Capponi und Della Gherardesca, die sich in ihrer direkten Umgebung befinden und zum Teil zum Kunsthistorischen Institut in Florenz gehören, lassen heute noch erahnen, dass im 16 Jahrhundert dieser Stadtbereich zwar keine 300 Meter vom Dom entfernt, aber dennoch vor den damaligen Mauern der Stadt und damit eine eher ländliche Gegend war. Sie war bewohnt von zahlreichen Künstlern des Cinquecento wie Perugino, Pontormo und Giambologna und auch die Accademia war hier im so genannten Künstlerviertel in der Kappelle der Lucasgilde der Kirche SS. Annunziata bis 1784 situiert. Die Casa Zuccari sticht im heutigen städtischen Umfeld durch ihre Außenfassaden hervor: die große Ecksäule, darüber das Wappen der Zuccari und das der Medici, dazu die in Sandstein eingefassten Fenster, die den Spätrenaissancecharakter des Bauwerks unterstreichen. (Abb. 1) Dieses Gebäude hatte seine Blütezeit - und erhielt seine endgültige Bezeichnung - nachdem Federico Zuccari (1540/1-1609), Maler und Kunsttheoretiker, das Bauwerk 1577 von den Erben des Andrea del Sarto (1486-1531), dem "pittore senza errori" (Vasari) erwarb, der selbst seit 1520 Besitzer des Hauses gewesen war. Federico Zuccari war zu diesem Zeitpunkt ein erfolgreicher und renommierter Künstler. Er hatte die Werkstatt seines Bruders Taddeo geerbt und erhielt bereits Aufträge aus den Niederlanden, Großbritannien, Rom und Venedig. In Florenz trat er ein zweifach schwieriges Erbe an: Er bekam den Auftrag, die von Giorgio Vasari begonnenen Fresken an der Domkuppel zu Ende zu führen und das Haus, das er gekauft hatte, hatte dem berühmten Andrea del Sarto gehört. Sich dieses Erbes bewusst und stets auf Selbstdarstellung bedacht, ließ Zuccaro zusätzlich auf dem Grundstück eine Werkstatt bauen, die er mit einer aufwendigen kunsttheoretischen und autorepräsentativen Fassade ausgestattete. (Abb. 2) Das architektonische Ornament aus "pietra grezza" und Ziegelsteinen präsentiert sich als ein für Florenz ungewöhnliches Ensemble, das zeitgenössische, römische Fassadenausstattungen proklamiert. Im unteren Register befinden sich Reliefs (heute von Kopien ersetzt) mit Darstellungen der "strumenti" der drei Künste Architektur, Malerei und Skulptur. Im oberen Register verweist die enorme, vertikale Aussparung der Ziegel auf den ursprünglichen Plan Zuccaros, ein Fresko auszuführen. Das Bild sollte von Skulpturen flankiert sein, für die Nischen eingebaut wurden. Dies wurde jedoch nicht realisiert. Das Wohnhaus selbst ließ Federico Zuccari nur geringfügig ändern. Noch heute ist von der Gartenseite die ursprüngliche Gestaltung des Gebäudes zu erkennen, bestehend aus einer Arkadenloggia mit zwei oberen Fensterreihen. Dennoch war dieses 'Privatgebäude' Zuccaros zugleich das Haus eines Künstlers, das auf Selbstruhm und starke gesellschaftliche Präsenz ausgerichtet war. Davon zeugt vor allem das Fresko des Gartensaales im Erdgeschoss, das 1577 entstanden ist. (Abb. 3) Ursprünglich geplant war sicherlich die Ausmalung im gesamten Haus, so wie sie schließlich im späteren Anwesen des Künstlers in Rom realisiert wurde. Die freskierte "sala terrena" konnte direkt von der heutigen Via Giusti oder indirekt über den Säulenvestibül, den Zuccaro bauen ließ - auf der Seite der heutigen Via Capponi erreicht werden und war als Festsaal gedacht, der zum Garten führt. Um diesen longitudinalen Raum mit dem quadratischen Grundriss der Wölbung zu vereinbaren und ein vollkommenes Symmetriespiel zwischen der gegebenen Innenarchitektur und der Gestaltung des Freskos zu erwirken, suggeriert die Südwand eine Raumvertiefung. Damit kompensiert die Malerei den relativ kleinen Raum, damit er der Funktion eines repräsentativen Saals gerecht wird. Hauptmotive des Freskos sind die Themen Zeit und Kreislauf der Natur: Im Zentrum, schwebend zwischen Himmel und Erde, thront Chronos auf dem Zodiakus. (Abb. 4)  Abb. 4: Chronos, Detail des Deckenfreskos von Zuccari
Im Hintergrund flankieren den Greis Personifikationen der Vergangenheit und der Zukunft: eine magere Figur, die in den Spiegel hineinschaut und ein Putto, ebenso mit einem Spiegel gerüstet, den er dem Betrachter entgegenhält. Als "Herrscher des Werdens und Vergehens" umgeben "Vater Zeit" die Bilder der Jahreszeiten. Das Prinzip der Darstellungen unterliegt einem rhythmischen "Auf und Ab", zwischen Reinigung und Wiedergeburt, Überfluss, Dekadenz und anschließender Zerstörung der Natur und der menschlichen Existenz. Die Szenen des Werdens und Vergehens werden von Personifikationen der Jahreszeiten und Tageszeiten, die in Kartuschen eingebettet sind, flankiert. (Abb. 5-8)
 Abb. 5: Frühling, Detail des Deckenfreskos von Zuccari
 Abb. 6: Sommer, Detail des Deckenfreskos von Zuccari
 Abb. 7: Herbst, Detail des Deckenfreskos von Zuccari
 Abb. 8: Winter, Detail des Deckenfreskos von Zuccari
Alle Bilder spitzen sich auf die Figur des Chronos zu. Eine Sogwirkung um die alles beherrschende, dynamische Zeit entsteht.
In den Bogenfeldern des Saales ist unter den Darstellungen des Frühlings eine Jagd, unter dem Herbst Bacchusepisoden und schließlich unter dem Winter eine "Hausszene" mit dem Künstler Federico Zuccaro zu sehen. (Abb. 9)
 Abb. 9: "Hausszene", Detail des Deckenfreskos von Zuccari
Die großformatige Jagdszene steht für Zuccaros Interesse an der Landschaftsmalerei, deren Stil in diesem Bild der niederländischen Kunst verpflichtet ist. Der Hausherr spielt mit der Darstellung der "caccia al cervo" (Hirschjagd), die gerade im Großherzogtum Toskana nur dem Fürsten und seinen Günstlingen zustand, natürlich nicht auf eine Zugehörigkeit zu den aristokratischen Schichten an, sondern indiziert vielmehr auf seine Auftraggeber. In persona gibt sich Federico jedoch herrschaftlich in der so genannten "Hausszene" als Großbürger, erfolgreicher Künstler und Lehrmeister. Er präsentiert sich mit seiner Frau, dinierend und vom Hauspersonal bedient. An der Schwelle des Raumes sitzen seine Schüler und üben sich im Zeichnen. Hinter ihnen ist die Werkstatt noch im Bau zu sehen. Es wird eine Spiegelsituation vorgeführt, denn der Betrachter, der vor diesem Bild steht, hat das tatsächliche Werkstattgebäude hinter seinem Rücken. Dargeboten wird eine bestimmte Phase des Baus. Im Sog des Naturkreislaufs präsentiert diese Szene daher einen konkreten Zeitpunkt. Sie markiert das Jetzt für den zeitgenössischen und einen vergangenen Augenblick für den zukünftigen Betrachter.
Federico Zuccaro verließ die Stadt Florenz 1579. Die Aufträge führten ihn wieder nach Rom und einige Jahre später nach Spanien, an den Escorial. Seine wahre Heimat sollte schließlich Rom werden, wo er 1593 Begründer und erster Principe der Accademia di Luca wurde. Das Florentiner Haus verkaufte Zuccaro aber erst 1602 an Giovanbattista Paggi, der in den späteren Jahren im oberen Stockwerk - genau über der sala terrena - ein weiteres Fresko ausführen ließ. Das Gebäude wurde mehrfach veräußert und als "casa d'artista" genutzt, zuletzt von Carlo Dolce (1616-1686) und Baldassare Franceschini, gen. Il Volterrano.
1987 wurde die Casa Zuccari aus dem Besitz der Conti Acquarone durch die Deutsche Bank AG erworben und 1988 an den Verein zur Förderung des Kunsthistorischen Instituts in Florenz übergeben. 2004 waren die Restaurierungsarbeiten beendet.
Literatur: Casa Zuccari, Bauten der Max-Planck-Gesellschaft, München 2006. Cristina Acidini Luchinat: Taddeo e Federico Zuccari. Fratelli pittori del Cinquecento, Milano 1998-99. Die Casa Zuccari in Florenz, hrsg. von der Deutschen Bank aus Anlass der Übergabe der Casa Zuccari, Frankfurt a.M. 1989. Barbara Stoltz: "Pegasus" und "Gevatter Zeit". Zwei Deckenfresken in der florentinischen Casa Zuccari (unveröffentlichtes Manuskript).
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 Abb. 1: Wappen der Medici und der Zuccari an der Casa Zuccari
  Abb. 2: Werkstatt des Federico Zuccari in der Via del mandorlo (heute Via Giuseppe Giusti)
  Abb. 3: Fresko von Federico Zuccari in der sala terrena der Casa Zuccari

Film über die Casa Zuccari  |