Kalender
Informationen
Institut
Mitarbeiter
Forschungsprojekte
Publikationen
Bibliothek
Photothek
Förderer
Ausschreibungen
Direktionen
Bibliothek
Photothek
Nachwuchswissenschaftler
Max Planck Fellow
Max-Planck-Forschungsgruppen
Minerva Programm
Forschungskooperationen
Forschungen der Mitarbeiter
     
                 
Go to Homepage
 
Die fotografische Retusche und ihre Bedeutung in Fotografien des 19. und frühen 20. Jahrhunderts
Dagmar Keultjes

Die Retusche ist bis in die Gegenwart eine Begleiterscheinung der Fotografie. Doch nicht die digitale Bildmanipulation wird im Dissertationsprojekt fokussiert, vielmehr fällt der Blick auf die Anfänge der Fotografie, um den Ursprung der Retusche und ihrer Entwicklung nachzuvollziehen. Im Zentrum der Recherche soll zunächst die Negativretusche stehen. Im Unterschied etwa zur Kolorierung ist sie auf den Abzügen kaum identifizierbar. Die ersten Negative wurden auf Papier belichtet und von ihrem Erfinder William Henry Fox Talbot (1800-1877) Kalotypien ("kalos" [griech.] = nützlich, schön) getauft. Talbot experimentiert in den Jahren 1834 bis 1841 in England mit fotografischen Techniken und entwickelt schließlich den Negativ-Positivprozess. Kalotypien aus zwei unterschiedlichen Sammlungen bilden daher den Ausgangspunkt der Untersuchung. Die Sammlung des Florentiner Gabinetto Fotografico umfasst 29 Kalotypien des Fotografen John Brampton Philpot (1812-1878) aus den Jahren 1855 bis 1859. Das Museo Archivio di fotografia storica in Rom beherbergt eine Sammlung aus 602 Kalotypien des Fotografen und Sammlers Ludovico Tuminello (1837-1903), die in die Jahre 1848 bis 1895 datiert werden. Beide Sammlungen zeigen vergleichbare Retuschen auf den größtenteils gewachsten Papieren, etwa wenn in den Landschaftsbildern der Himmel mit schwarzer Gouache oder roter Tempera abgedeckt wird. Überdies lässt sich Bleistiftretusche erkennen, die etwa in einem Porträt Tuminellos zur Konturierung der Augenpartie eingesetzt wird. Im hier gegebenen Bildbeispiel aus der Sammlung Tuminello wird die rote Tempera nur als Konturlinie genutzt und mit einer (leider nicht erhaltenen) Papiermaske kombiniert, die mittels Kreuzstich am oberen Bildrand befestigt war und einfach über den unbemalten Himmelsbereich geklappt wurde. Die Monumente werden auf diese Weise im Abzug vor neutralem weißem Grund abgebildet und wirken der Zeit mit ihrem beständig wechselnden Wetter entrückt.

Obzwar schon im Jahr 1900 der Fotograf Nadar (1820-1910) in seiner Autobiografie als Erfinder der "abscheulichen und doch unentbehrlichen" Retusche den Münchner Franz Hanfstaengl (1804-1877) nennt, der die Technik 1855 auf der Pariser 'Exposition Universelle' vorführt, ist zu vermuten, dass schon vorher manuelle Eingriffe auf den Negativen erfolgten. Dem gelernten Lithografen Hanfstaengl gebührt wohl die Ehre, die Retusche der Öffentlichkeit präsentiert zu haben, doch widmet er sich der Fotografie erst nach 1851, als auf Glasplattennegativen das "Nasse Kollodiumverfahren" zur Verfügung steht. Gefragt werden soll infolgedessen: Wie reagieren Fotografen und andere Zeitzeugen auf retuschierte Bilder? Erfährt die Retusche einen Wandel, wenn das Verfahren wechselt?


 

Projektmitarbeiter
Dagmar Keultjes

< zurück
Seite drucken
 
Go to MPG Homepage