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Ikonografie des Liederlichen. Visualisierungen von Prostituierten im ausgehenden 18. Jahrhundert
Romana Filzmoser

Gegenstand der Dissertation sind die Konsumkultur und Geschichte populärer Druckgrafik bezüglich der Visualisierungsstrategien von Prostituierten im ausgehenden 18. Jahrhundert.

Die Debatten um weibliche Sexualität, weibliche Erwerbstätigkeit und um die Bestimmung des 'Normalen' und 'Devianten' kulminieren im Übergang vom 18. zum 19. Jahrhundert in den Auseinandersetzungen um die städtische, weibliche Prostitution. Innerhalb dieser Schnittstelle des Eindringens des Privaten in den öffentlichen Raum werden Machtverhältnisse diskutiert, die in den Bildern zum Ausdruck kommen. Die Darstellungen von Prostitution sind dabei nicht als Spiegel eines virulenten Themas zu lesen, sondern liefern aktiv Argumente für die Diskussion. Denn Prostitution operiert im Verborgenen, um über sie zu sprechen, braucht es ein Bild von Prostitution. Diese Konstruktion, so die Grundannahme, wird vom materiellen Bild affiziert.

Die 'Prostituierte', wie man sie aus den Darstellungen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts kennt, gibt es im 18. Jahrhundert so noch nicht bzw. nicht mehr. Es existieren allerdings Vorläufer, gleichsam Seitenblicke auf lasterhafte Momente im öffentlichen Raum und auf Alltagsszenen, die bestimmte visuelle Strategien der Sichtbarmachung von Prostitution tradieren, erproben und entwickeln. Die Visualisierungen, durch die Prostitution sichtbar und gleichzeitig semantisiert wird, arbeiten dabei subtil mit der Spannung zwischen Verborgenem, Geheimem - die Prostituierte und die Prostitution an sich - und deren inszenierter Zurschaustellung im Bild. So wie sich die Prostituierte auf der Straße vor der Obrigkeit verbergen und gleichzeitig für mögliche Kunden zeigen muss, geschieht dies auch im Bild. Für ihre Sichtbarmachung musste ein Dechiffrierungssystem entwickelt werden, eine Ikonografie des Liederlichen. Den Inszenierungen der Blicke kommt dabei zentrale Bedeutung zu. Sie sind sowohl das werbende, verführende Instrument der Prostituierten im Bild als auch zwischen ihr und Betrachter. Diese Beziehung kann verführerisch, im nächsten Moment entlarvend oder warnend sein. Hinter der anmutigen Tracht des Stubenmädchens kann sich der auffordernde, anbietende Blick einer Prostituierten offenbaren, den es zu bannen oder für nicht Eingeweihte zu verbergen gilt. Hinter der schönen, verführerischen Hülle einer Prostituierten kann sich ein kranker, korrumpierender Körper verbergen, den es zu enttarnen gilt. Die Facetten ihrer ambivalenten Erscheinung werden mittels ikonografischer Muster artikuliert, die in Form von Rückgriffen auf Bildtraditionen, in Adaptionen und Bildfindungen in die Darstellungen von Prostitution einfließen.


 

Projektmitarbeiter
Romana Filzmoser
Romana Filzmoser

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