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Musikallegorien in der Kunst des 16. bis 19. Jahrhunderts
Volker Scherliess, Musikhochschule Lübeck Die Darstellung von Musikinstrumenten und musizierenden Personen bietet ein weites Feld für kunst- wie musikhistorische Fragestellungen. Sie reichen von der Dokumentation bestimmter Instrumente, ihrer Spielweise und Kombination im Ensemble über die wechselnde soziale Zuordnung bis zu mythologischen, theologischen und allegorischen Deutungen. Ein Instrument kann einerseits für sich selbst stehen und die Erfahrung erlebter Musik im weltlichen oder kirchlichen Bereich widerspiegeln. Andererseits kann es auf bestimmte klingende Musik verweisen (als Attribut ländlichen Lebens, herrschaftlicher Repräsentation u. ä.), eine historische oder allegorische Figur bezeichnen (David, Apollo, Orpheus, S. Cecilia, Musica usw.) oder eine Darstellung allegorisch überhöhen. Von besonderem Interesse sind einzelne Personen mit Instrument oder mehrfigurige Szenen, bei denen sich reale Musizierpraxis und übergeordnete Bedeutung nicht strikt trennen lassen, sondern ineinander übergehen. Während die musikwissenschaftliche Fragestellung sich in solchen Fällen oft darauf beschränkt, Instrumente oder Ensembles lediglich als Abbilder realistischer Musiziersituationen zu betrachten, sie beispielsweise als Belege für die historische Aufführungspraxis alter Musik benutzt und weiterführende Verweise außer Acht lässt, müssen für eine angemessene Interpretation natürlich zunächst die kunsthistorischen Zusammenhänge analysiert werden. Dabei ist wichtig, jedes Beispiel für sich zu betrachten und den jeweiligen Kontext von Fall zu Fall zu untersuchen. Ein Topos in den Musikdarstellungen ist die Harmonie-Allegorie, die beispielsweise durch ein mehrsaitiges, gestimmtes (d. h. akkordiertes) Instrument oder auch durch die Resonanz mehrerer Instrumente versinnbildlicht werden kann. So gibt Georg Philipp Harsdörffer in seinen 'Philosophischen und Mathematischen Erquickstunden' (Delitiae Philosophicae et Mathematicae, Nürnberg 1636) unter dem Motto "Gottseeligkeit/ Und Todes Zeit/ Stimmt gleiche Sait." das Bild eines Jünglings und des Todes, die jeweils Laute spielen. Darunter "sitzen beede gegeneinander/ und stimmen ihre Lauten: anzuzeigen; dass der Tod dem vorhergeführten Leben pflege gleich zu seyn. Hast du dein Leben wohl geführt; so wirst du auch wohl sterben: hast du es aber übel geführt; so wirst du auch übel sterben." Solche, musikalisch versinnbildlichte Übereinstimmung von Unterschiedlichem ("harmonia est discordia consors" bzw. "harmonia est concordia discors") begegnet auf allen Ebenen - von der Emblematik bis zu mehrfigurigen Darstellungen. Insbesondere in ihnen, den als' Concerti, Musizierende Gesellschaften' usw. bezeichneten Gruppenbildern, kann es aus musikwissenschaftlicher Sicht sinnvoll sein, die Zusammenhänge zwischen musikalischem Motiv und allegorischer Aussage (häufig: Harmonie, Liebe, politische Eintracht; aber auch Laster, Vergänglichkeit usw.) im einzelnen zu untersuchen und neu zu bedenken.
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