Aktuelles
Informationen
Institut
Forschung
Bibliothek
Photothek
Förderer
Presse
Projekte
Stipendien
Jacob-Burckhardt-Preis
Studienkurs
Veranstaltungen (intern)
Kooperationen
Veröffentlichungen
     
                 
Go to Homepage
 
Götter-Bilder. Die Arbeit am Mythos als europäisches Projekt der Frühen Neuzeit

Michael Thimann, in Verbindung mit Ulrich Pfisterer und Frank Büttner
Mythologisches Wissen und Denken in mythologischen Figurationen basiert in der Frühen Neuzeit mindestens so sehr auf Bildern wie auf Texten. Das Projekt widmet sich dem Problem der Götterbilder in seiner ganzen historischen Erstreckung in der Frühen Neuzeit von etwa 1350 bis 1800. Grundsätzlich wird dabei das Phantasie-Potential der Götterbilder für die epistemologische Fundierung des profanen Bildes in der Frühen Neuzeit problematisiert. Wie lässt sich dieses Problem aber beschreiben, ohne in eine Neuauflage von Warburgs Formel des "Nachlebens der Antike" mit ihrer problematischen Emphase und energetischen Metaphorik zu verfallen? Für die Frühe Neuzeit gilt ganz allgemein, dass die Auseinandersetzung mit Mythen wesentlich zur Genese neuer "Bildsprachen", zu einer Ausbildung des National-Gedankens, einer "europäischen Identität" aber durch die neu entdeckten außereuropäischen Götterbilder auch zu einer globalen Perspektive auf das Problem des Bildes beitrugen. Die europäische Renaissance ist zweifellos, bei unangefochtenem Status des 'einen' jüdisch-christlichen Gottes, eine Wiederkehr der 'vielen' Götter. Und dies gilt nicht nur in Hinsicht auf die künstlerische und wissenschaftliche Beschäftigung mit der griechisch-römischen, zuletzt auch der christlichen und germanischen Antike in der Frühen Neuzeit. Die Entdeckung der Neuen Welt belebte gerade im 17. Jahrhundert das mythologisch-dämonologische Interesse, weil die christlichen Missionare und Eroberer auf Religionen und Götter stießen, die man zunächst mit Hilfe alttestamentarisch-antiker Vorgaben (Moses, Homer und Plinius) zu sortieren suchte. Unter dem Druck dieser Suchbilder fand man in Amerika, Afrika, Indien, China, Japan und anderswo die alten tot geglaubten Götter, Dämonen, Zyklopen und Amazonen etc. Erst allmählich setzte sich die Erkenntnis durch, dass es viele (Bild) Kulturen und Kulte gab, die sich nicht mit der europäischen Antike harmonisieren ließen, sondern nach neuen Bewältigungsstrategien und hermeneutischen Modellen verlangten. Es wird gefragt, wie in der Frühen Neuzeit der Alterität fremder Kulte und Bilder begegnet wurde: Ging es primär um eine Bestätigung der eigenen Tradition und eine Integration des neuen Wissens oder wurde das "Fremde" auch in seinem grundsätzlichen Anderssein reflektiert und produktiv in die Bildpraxis eingebracht? Aus dem Wissensschub des 16./17. Jahrhunderts entspringt eine für die Bildgeschichte hochkomplexe Überlieferung, die das im Rahmen der Kooperation mit der Ludwig-Maximilians-Universität München projektierte 'Handbuch der Mythographie' beschreiben wird. Gelöst von dem Begriff des "Nachlebens" soll nach der Konzeptionalisierung von Götterbildern in klar umrissenen funktionalen und intellektuellen Kontexten gefragt werden. Die Verwendung mythologischer Bilder im Feld der politischen Allegorie und die 'longue durée' mythologischer Bildprägungen in Naturgeschichte und Naturphilosophie wären hier als bisher wenig systematisch erforschte Gebiete zu nennen. Auch Antikenparodien nehmen einen wichtigen Platz in der Rezeption und Umdeutung der Antike ein. Gegen eine Heuristik der Kontinuität des "Nachlebens" der Bilder ist nach den Brüchen und Transformationen zu fragen, die ganz besonders deutlich um 1400, um 1600 und um 1800 greifbar werden. Im Rahmen der Kooperation mit der Ludwig-Maximilians-Universität München, SFB 573 'Pluralisierung und Autorität in der Frühen Neuzeit', Teilprojekt B2: 'Formen und Funktionen des Bildes in der Frühen Neuzeit', Leiter Prof. Dr. Frank Büttner und Prof. Dr. Ulrich Pfisterer, findet 2009 eine Arbeitskonferenz in Florenz statt, die der Vorbereitung einer internationalen Fachtagung (2010) und der Grundlegung einer längerfristigen Zusammenarbeit gerade in Hinblick auf das geplante bildwissenschaftliche Handbuch dienen soll.

< zurück
 
Seite drucken
 
Go to MPG Homepage