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Die Ausstellung 'Meisterwerke' Muhammedanischer Kunst in München 1910
Eva-Maria Troelenberg

Die Ausstellung 'Meisterwerke Muhammedanischer Kunst', die 1910 in München stattfand, vereinte erstmals ein bis heute beispielloses Spektrum islamischer Objekte aus internationalen Museen, Kirchenschätzen und Sammlungen. So eröffnete sie kunstwissenschaftliche Perspektiven, die die Forschungsagenda der Fachdisziplin langfristig geprägt haben.

Ist ein solcher Umgang mit Zeugnissen islamischer Materialkultur als Spielart traditionell westlicher Kunstwissenschaft aufzufassen, die auf ein exotisches Sujet übertragen wurde? Oder ist sie im Kontext einer empirischen kulturhistorischen Islamwissenschaft zu betrachten, die eben aus dem Schatten einer philologisch geprägten Orientalistik herauszutreten begann? An diesen Leitfragen wird im Anschluss an die epistemische Untersuchung des konkreten kulturhistorischen Ereignisses zunächst eine Analyse des zeitgenössischen wissenschaftshistorischen Klimas entlang geführt. Mithin soll die Arbeit eine Reflexionsfolie zur Verortung der institutionell jungen Teildisziplin der "Geschichte der islamischen Kunst" darstellen. Darüber hinaus liegt die kunsthistorische Dimension des Themas vor allem in der Frage nach den kulturhistorischen Potenzialen der Ausstellung: So gehörten wichtige Vertreter der Avantgarde wie Kandinsky und Matisse zu den Besuchern, womit der Komplex der Einflüsse islamischer Ästhetik auf die Kunst der Moderne angesprochen ist, der zugleich ikonografische wie stilistische Aspekte aufwirft. Ein weiteres zentrales Desiderat besteht mithin darin, beispielhafte Fragestellungen zu entwickeln, anhand derer grundsätzlich interkulturelle ästhetische Prozesse untersucht werden können. So werden anhand dieses Einzelereignisses qualitativ unterschiedliche Themenkomplexe aufgespannt, um generelle Beiträge zur Rezeptionsgeschichte islamischer Kunst zu leisten.


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