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Katastrophenbilder. Zur Darstellung von Katastrophen als Elementarereignisse in der Kunst des 17. Jahrhunderts
Vera Koppenleitner Ursprünglich war das Dissertationsprojekt als breit angelegte Untersuchung zur bildlichen Darstellung von Naturkatastrophen in der Frühen Neuzeit konzipiert. Entsprechend wurden in den letzten zwei Jahren wesentliche Aspekte des Katastrophenbildes in einer Reihe von Einzelstudien erarbeitet. In einer Spezialstudie zum Vesuvausbruch von 1631 konnten erste Ergebnisse bezüglich der Frage nach visuellen Vermittlungsstrategien katastrophischer Naturereignisse wie auch nach der ästhetischen und sozialen Funktion von Katastrophenbildern erzielt werden. Hier erwies sich die Kooperation mit dem Projekt von Claus Zittel ('Profane Bilder und ihre epistemischen Konfigurationen in der frühen Neuzeit') als äußerst fruchtbar, da in einer Zusammenführung von zeitgenössischen Naturtheorien, historischen Berichten und künstlerischer Produktion die ästhetischen, sozialen und wissenschaftlichen Transformationen dargestellt werden konnten. Weitere Aspekte der Wahrnehmung und Darstellung von Katastrophen ließen sich im Zusammenhang mit anderen Projekten der Selbständigen Nachwuchsgruppe untersuchen, so die Frage nach dem Betrachter und Zeichner im Bild ('Disegno. Der Zeichner im Bild') und die gemeinsame Arbeit mit Heiko Damm zu einer geplanten Edition des für die Katastrophendarstellung zentralen Textes 'Osservazioni nella pittura' (1580) von Cristoforo Sorte, die in der Reihe 'Texte zur Wissensgeschichte der Kunst' erscheinen soll. Es wurde eine umfangreiche Sammlung von Bild- und Quellenmaterial zu Erdbeben, Vulkanausbrüchen, Überflutungen und Stadtbränden des 16. und 17. Jahrhunderts angelegt. Neben den Einzelstudien bestätigte diese Sammlung die anfängliche These, dass Bilder realer zeitgenössischer Katastrophen oft weniger an direkt erlebte Realereignisse gebunden sind als vielmehr an künstlerische und literarische Darstellungstraditionen historischer, imaginärer oder befürchteter Katastrophen. Die Darstellungen der Kunst werden durch bereits bestehende visuelle Topoi von katastrophischen Ereignissen beeinflusst, gleichzeitig schreiben sie neue Bilder in die kollektiven Vorstellungsmuster ein. Bilder sind somit auch als Ausdruck einer kulturellen Wahrnehmung zu verstehen, denn oft formuliert sich in ihnen eine durch direkte oder vermittelte Erfahrung geprägte Vorstellung von Katastrophen, womit sie immer auch als Ausdruck eines kollektiven Bildgedächtnisses aufgefasst werden können. In einer zweiten Fallstudie rückten frühneuzeitliche Darstellungen von Stadtbränden und insbesondere des Großen Brandes von London 1666 ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Ausführlich konnte schließlich bei einer interdisziplinären Fachtagung zum Thema der urbs incensa, organisiert von der Selbständigen Nachwuchsgruppe in Kooperation mit dem historischen Seminar der Universität Luzern, die ästhetische Transformation der brennenden Stadt in der Frühen Neuzeit untersucht werden. Die hier erzielten Ergebnisse führten zu der Entscheidung das Hauptaugenmerk auch der Dissertation auf die Darstellung von Feuerkatastrophen zu richten. Am Beispiel des Großen Brandes von London sollen nun kulturelle Traditionslinien und künstlerische Innovationen aufgezeigt werden, die als paradigmatisch für das Katastrophenbild im 17. Jahrhunderts angesehen werden können. Da sich in den Studien zudem eine Parallelisierung von Vulkanausbruch und Stadtbrand in den historischen Quellen zeigte, erscheint es sinnvoll, auch auf einer bildlichen Ebene Vergleiche vorzunehmen. Das Dissertationsprojekt soll im Jahre 2009 unter dem neuen Titel 'Katastrophenbilder. Kulturelle Transformationen und künstlerische Innovationen in Darstellungen des Großen Brandes von London 1666' abgeschlossen werden.
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