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The Artist as Reader: Libraries, Books and Archives. On Education and Non-Education of Early Modern Artists (= Intersections. Yearbook for Early Modern Studies; erscheint 2009)
Heiko Damm, Vera Koppenleitner, Michael Thimann, Claus Zittel Rekonstruktionen der Wissensgeschichte übersehen häufig, dass Bücher als Wissensspeicher nicht allein von Gelehrten konsultiert wurden, sondern auch von bildenden Künstlern und Kunsthandwerkern, die durch ihre Praxis andere Wissensansprüche mitbrachten und sich daher auf eigene Weise mit dem Buchwissen auseinandersetzten. Die Rolle von Büchern bei der Entwicklung einer künstlerischen Diskurskompetenz ist unbestreitbar, wie groß die Spannbreite zwischen theoretischer Reflexion des 'doctus artifex' und bildungsfernem Praxisbezug auch sein mag. Schriftspeichermedien dienen der Ausbildung des Talents und der Systematisierung des Studiums, aber auch der Identitätsbildung und Selbstbefragung. Sie können den schöpferischen Prozess in Gang setzen oder lähmen, ganz im konkreten Gebrauch aufgehen oder als Sammelobjekte schließlich zu Statussymbolen werden. Die Beiträge des Bandes aus unterschiedlichen disziplinären Perspektiven (Kunstgeschichte, Literatur- und Theaterwissenschaft, Wissenschaftsgeschichte, Philosophie, Geschichte) sollen folgende Fragen untersuchen: 1. Welche Bücher wurden von Malern, Illustratoren, Goldschmieden, Gartenkünstlern, Instrumenten- oder Festungsbauern gelesen? Inwieweit entsprach die Zusammensetzung der Handbibliotheken dem von Theoretikern empfohlenen Autorenkanon und welche Rolle spielten individuelle Vorlieben? 2. Welchen besonderen Gebrauch machten Künstler von ihren Büchern? Was wäre unter einer spezifisch 'künstlerischen' Lesepraxis zu verstehen? Lassen sich besondere Formen skeptischer Abweisung oder produktiver Aneignung von Texten (z. B. Palissys Kritik an Cardanos Naturphilosophie oder die der Carracci an Vasaris 'disegno'-Doktrin) feststellen, die für Künstlerlektüren kennzeichnend sind, gibt es also ein spezifisches "Künstlerwissen"? 3. Wie manifestiert sich das durch Bücher vermittelte Wissen im künstlerischen Werkprozess und in den Werken selbst? Wird die eigene Lektüre im Werk reflektiert? Welches Textverständnis offenbart sich z. B. in Buchillustrationen? In vielen Fällen ist das Verbergen und Enthüllen von diskursivem Wissen im Bild eng mit dem Problem der Künstlerbibliothek verknüpft. Auf einer neuen Forschungsgrundlage soll der Band das Problemfeld der Bücher in Künstlerhand und die damit in den Blick gerückte Verbindung von Archiv, Wissensgeschichte und künstlerischer Praxis befragen. Welche Wege der Wissensaneignung, Wissensspeicherung und Wissensgenerierung stehen dem Künstler zur Verfügung, die ihn vom Gelehrten unterscheiden? Hier ist die Bibliothek in ihrer Systematik und in ihrer Materialität ebenso von Interesse wie die individuelle Lesespur, etwa in Form von Postillen.
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