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Joachim von Sandrart - Karrierewege und Bildungshorizont des "Teutschen Apelles" im Europa des 17. Jahrhunderts. 'Malerei und Dichtung in Zeiten des Dreißigjährigen Krieges'
Anna Schreurs

Das Bemühen des deutschen Malers und Kunstliteraten Joachim von Sandrart (1606-1688) um eine nationale Identität durch die Kunst und durch die Sprache in einem europäisierenden Kontext, wie der Künstler es sowohl in seinen Gemälden, als auch in seinem schriftlichen Oeuvre bekundet, steht im Zentrum der Forschungsarbeit zum Thema "Joachim von Sandrart zwischen Wort und Bild: Malerei und Dichtung in Zeiten des Dreißigjährigen Krieges".

Der Maler und Kunstliterat wurde 1676 als Mitglied in die "Fruchtbringende Gesellschaft" aufgenommen. In eindrucksvollster Weise zeigt sich die enge Verbindung des Malers zu der größten deutschen Sprachgesellschaft in der 1680 erschienenen 'Iconologia Deorum oder Wahre[n] Abbildung der Götter', einer Übertragung von Vincenzo Cartaris 'Imagini dei Dei degli Antichi' ins Deutsche, die mit einer prachtvollen, mehrere Kupferstiche umfassenden Titelei die 'kulturpolitischen Ziele' dieser Vereinigung kundtat.

Die Frage, welche Ideen und Gedanken den Künstler mit der "Fruchtbringenden Gesellschaft und deren Mitgliedern verband, bildet den Kern der Auseinandersetzung. Waren dies in praktischer Hinsicht seine Übersetzung von fachspezifischer Literatur wie Ovid und Cartari ebenso wie das Bestreben, eine einheitliche deutsche Kunstterminologie einzuführen, so einte sie in weltanschaulicher Hinsicht der Wunsch, durch die Beschäftigung mit der Sprache eine nationale Identität zu konsolidieren und damit den im Westfälischen Frieden erreichten 'Ruhezustand' zu wahren. Der intensive Austausch, den Sandrart mit Dichtern und Gelehrten Zeit seines Lebens pflegte, lässt vermuten, dass in diesen Kreisen diskutierte Konzepte und Ideen in weitaus höherem Maße Anstoß zur Publikation der 'Teutschen Akademie' gaben, als seine Beschäftigung mit und Teilnahme an den Kunst-Akademien und Künstlerzirkeln der Nachbarländer.

Im einzelnen konnten in den vergangenen beiden Jahren Aspekte dieses Forschungsvorhabens in verschiedenen Vorträgen öffentlich diskutiert werden: Die Kontakte mit dem Frankfurter Verleger Matthäus Merian, für dessen Publikationen Sandrart nicht nur Frontispize entwarf, sondern auch topografische Kupferstiche beisteuerte, waren Thema im Beitrag zur Tagung über die "Theatrum-Metapher in der Frühen Neuzeit" an der Universität in Augsburg ("Der Vesuvausbruch von 1631, ein Spektakel auf der Weltbühne Europa: Anmerkungen zu Joachim von Sandrarts Beitrag zum 'Theatrum Europaeum' von Matthäus Merian", in: "Ordnung und Repräsentation von Wissen. Dimensionen der Theatrum-Metapher in der Frühen Neuzeit", Akten des internationalen kulturwissenschaftlichen Symposiums Universität Augsburg, März 2007, hrsg. v. Flemming Schock, Ariane Koller und Oswald Bauer, http://www.metaphorik.de/14/, 2008, S. 297-332). Hier ebenso wie in dem Vortrag über Sandrarts Verbindungen zu dem Nürnberger Dichter Georg Philipp Harsdörffer am Kunsthistorischen Institut in Florenz lag der Schwerpunkt auf der Verbindung von Wort und Bild: dem deutlich in zwei verschiedene Vermittlungsstrategien geteilten Verhältnis im 'Theatrum Europaeum' Merians bzw. der Reaktion auf Dichtungsheorien in der Malerei im Falle der Auseinandersetzung mit Harsdörffer. In letztgenannten Beitrag kam zudem der überkonfessionelle Austausch deutscher Dichter wie Balde, Birken und Harsdörffer in der gemeinsamen dichterischen Interpretation von Gemälden Sandrarts zur Sprache ("'In allen seinen Werken versteht man mehr, als das bloße Gemähl zeiget': Joachim von Sandrart im Zentrum des Dichterlobs", im Druck). In anderer Weise fokussiert auf die Verbindung von Text und Bild thematisierten zwei weitere Vorträge, die im Rahmen von Tagungen des Instituts gehalten wurden, Sandrarts Umgang mit den Quellentexten der Teutschen Academie: kunstliterarischen Texten (Giorgio Vasari, Carel van Mander, Carlo Ridolfi) auf der einen Seite (Aufsatz "Von den 'Vite' Vasaris zu Sandrarts Academie: Künstler, Dichter und Gelehrte, im Druck), den mythografischen, antiquarischen und naturkundlichen Texten (Vincenzo Cartari, Ezechiel Spanheim, Athanasius Kircher) auf der anderen Seite (Aufsatz "Mythologie und Naturkunde: Die Winde als Götter bei Joachim von Sandrart", im Druck).


 

Projektmitarbeiter
Anna Schreurs-Morét

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