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Steinbilder und Bildmagie. Natur, Antike und Kunst, XII.-XVI. Jahrhundert

Philippe Cordez
Das Projekt widmet sich den Steinbildern, seien sie natürliche Formen in Marmor, Erzeugnisse der Glyptik, oder das Ergebnis künstlerischer Auseinandersetzungen mit ihnen. Anhand dieser Ding-, Bild- und Kunstgattung kann nach den Folgen gefragt werden, welche die Übersetzung und die intellektuelle Aneignung arabischer Texte im 12. und 13. Jahrhundert für die abendländischen Bildkulturen hatten.

Ausgangspunkt ist hier die scientia de imaginibus: Als "Bildwissenschaft" bezeichneten die scholastischen Naturphilosophen und Theologen eine astrologische Bildmagie, die im spätantiken, multikulturellen Alexandria ihre Blütezeit erlebt hatte, und dem neuplatonisch-christlichen Verständnis des Bildes als Trugbild diametral entgegengesetzt war. Es ging dabei um die Herstellung sogenannter "Siegel", die in der Lage waren, den Einfluss der Himmelskörper auf ihre Besitzer zu lenken. Später war eine Textgattung entstanden, die Beschreibungen derartiger effizienter "Siegel" auflistete, aber sie inzwischen als Steinbilder beschrieb oder charakterisierte. Dabei wurden auch antike Kameen und Intaglien berücksichtigt, deren Herstellung man nicht mehr beherrschte und denen man aufgrund ihres Materials auch magische Wirkung zuschrieb. In diese Verstrickung der Bildgattungen wurden noch Elemente jüdischer Exegese eingeflochten, so dass schließlich am Ende des XII. Jahrhunderts ein Text im Abendland Verbreitung fand, in dem behauptet wurde, Juden hätten während des Exodus magisch figurierte Steine geschnitten. In den 1250er Jahren verfasste Albertus Magnus einen Traktat über Mineralien, der die bisherigen Debatten synthetisierte und bis in die frühe Neuzeit als Standardwerk galt. Natürliche und künstliche Steinbilder werden darin zusammen behandelt und von ihm mit Rückgriff auf das theoretische Prinzip der Bildmagie erklärt und als natürliches Phänomen dargestellt. Die Steinbilder würden unter dem Einfluss der Sterne in einem empfindlichen Material entstehen, das später zu Stein verhärte; wenn dabei ein Mensch sich beteilige, etwa mit Hilfe der Alchemie, dann wäre er astrologisch gelenkt und nur als Vermittler zu verstehen.

Die spätantike Bildmagie war den christlichen Gelehrten des Mittelalters und der Renaissance durch Texte überliefert. Sie waren fasziniert von ihr und betrachteten sie zugleich als eine grundlegende Gefährdung. Die Leitfrage des Projektes ist daher folgende: Wie haben in diesem Kontext die intellektuellen und künstlerischen Auseinandersetzungen mit Steinbildern dazu geführt, dass aus dem Wissen um diese vergangene Bildkultur schließlich eine neue hervorging? Die Debatte über mittelalterliche Steinbilder wirft ein neues Licht auf die zeitgenössische Glyptik, die gerade am Ende des 12. und zu Beginn des 13. Jahrhunderts in Sizilien wieder einsetzte. Auch die Verwendung zahlreicher antiker Kameen im Mittelalter lässt sich erst vor dem Hintergrund ihrer Wahrnehmung als astrologisch-magische Bilder verstehen, was hier systematisch untersucht werden soll. Das Projekt befasst sich darüber hinaus mit Verweisen auf Steinbildern in anderen Medien. Sie sind als Paragone mit Natur und Antike zu interpretieren und dokumentieren in ihren jeweiligen Erscheinungen und Ansprüche - von Giotto bis Mantegna über Donatello und Fra Angelico - die Etablierung einer neuen Auffassung des künstlerischen Schaffens.

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