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Sandrarts "Teutsche Academie" und die "Iconologia Deorum" (1675-80) als Nucleus für eine netzbasierte, interdisziplinäre Forschungsplattform zur Kunst und Kulturgeschichte im 17. Jahrhundert
Projektleitung: Alessandro Nova (Florenz), Thomas Kirchner (Frankfurt)
Wissenschaftliche Leitung: Anna Schreurs
Ein Kooperationsprojekt des Kunsthistorischen Instituts in Florenz - Max-Planck-Institut, des Kunstgeschichtlichen Instituts der Goethe-Universität in Frankfurt am Main, der Bibliotheca Hertziana (Max-Planck-Institut für Kunstgeschichte) in Rom, des Städel Museums und des Historischen Museums in Frankfurt am Main

URL der Online-Edition: http://ta.sandrart.net
URL der Website des Projektes: http://www.sandrart.net/

Seit April 2007 kooperieren verschiedene Forscher des Kunsthistorischen Instituts in Florenz mit dem seit diesem Zeitpunkt von der DFG geförderten Sandrart-Projekt am Kunstgeschichtlichen Institut der Goethe-Universität in Frankfurt am Main. Das Gemeinschaftsprojekt kann als ein erstes Ergebnis die Online-Edition von Joachim von Sandrarts Teutscher Academie in den beiden Hauptteilen (1675/1679) sowie der 'Iconologia Deorum' (1680) verzeichnen. Damit wurde einer der bedeutendsten Texte barocker Kunstliteratur im Internet verfügbar gemacht.

In der ersten Version dieser Edition kann nun der im Original über 1600 barocke Folio-Seiten umfassende Text innerhalb verschiedener Kategorien komplett durchsucht werden. Zunächst ermöglicht es der Personen-Index, alle Textstellen anzeigen zu lassen, in denen eine Person, unabhängig von deren Schreibweise, erwähnt wird (z. B. Pietro da Cortona: Petrus da Cortonne, Peter Corton und Pietro Beretini; Giovanni Lanfranco: Gioanni Lanfranc, La Franch, Lan Frank). Die Namensansetzung der Personen wurde - sowie vorhanden - nach der PND (Personennamendatei) der Deutschen Nationalbibliothek festgelegt. Für die Orte wurde ein entsprechendes Verfahren angewandt.
Eine besondere Erweiterung bietet die Online-Edition im Vergleich zum Originaltext jedoch durch die Hinzufügung eines Index der Kunstwerke, in dem zukünftig alle von Sandrart selbständig beschriebenen Werke mit einem Datensatz und einer Farbabbildung erfasst werden. Sie bilden in ihrer Gesamtheit - mit Werken u. a. von Caravaggio, Bernini, Guido Reni, Duquesnoy, Lorrain, Poussin, Rubens, Honthorst und Elsheimer - eine virtuelle Barockgalerie, in der auch zahlreiche von Sandrarts eigenen Gemälden, zum Teil erstmals in Farbe, zu sehen sind. Dies gilt insbesondere für sein Hauptwerk, die Altarbilder der Benedektinerabteikirche in Lambach (Österreich): Sie wurden im Rahmen einer Fotokampagne einzeln fotografiert und in den Kunstwerke-Index eingefügt. Bei diesen wie bei den Werken der von ihm verehrten oder beschriebenen Künstler kann man sich vom Text aus direkt zum entsprechenden Datenbank-Eintrag bewegen. Durch die zwischen Kunstwerk-, Personen- und Ortsindex angelegten Bezüge lassen sich zudem die Aufbewahrungsorte und Besitzer der Werke anzeigen und Sammlungskontexte rekonstruieren.

Zukünftig soll auch das Auffinden von kunsttheoretischen Begriffen erleichtert werden, indem entsprechende Vorarbeiten von Michéle-Caroline Heck (Netzwerkpartnerin des Projektes an der 'Université Montpellier') und dem Forschungsprojekt "Accademia di San Luca, 1589-1635: Documents from the Archivio di Stato, Rome" am 'Center for Advanced Study in the Visual Arts, National Gallery of Art', Washington (unter der Leitung von Peter Lukehart) einbezogen werden.

Nach der Verlängerung des Projektes durch die DFG wird in der zweiten Projektphase parallel zu der Vervollständigung von Orts-, Personen- und Kunstwerk-Index die weitere Kommentierung des Textes auf der Ebene einer internationalen und interdisziplinären Wissenschaftskooperation in Angriff genommen.


Einzelforschungen im Rahmen des Projektes:

Sandrarts "Bibliothek" - Zu den Quellen der Teutschen Academie

Anna Schreurs
Die Teutsche Academie, entstanden auf der Basis eines lebenslangen Austauschs des Künstlers mit Zirkeln der Dichtkunst und Gelehrsamkeit, in die er in Rom, Frankfurt, Amsterdam, Augsburg und Nürnberg integriert war, stellt sich dar als ein Arrangement von Textzitaten, die kommentiert, durch eigene Erfahrungen oder neuere Erkenntnisse erweitert und vor allem durch zahlreiche Kupferstiche bereichert sind. Es ist das Produkt von Lektüre, Kompilation und Auslegung von gelehrtem Wissen. Auffällig oft wird jedoch aus der Teutschen Academie zitiert ohne Reflexion darüber, ob der entsprechende Text eine eigenständige Schöpfung des Autors, oder aber eine Übersetzung oder eine Kompilation von vorausgehenden Schriften darstellt. Innerhalb der Edition sollen die verschiedenen Textebenen nun visualisiert werden: Weit über den primären Anspruch hinaus, Sandrarts Text als ein komplexes Gefüge von Zitaten und eigenen Formulierungen herauszustellen, kann dadurch die Praxis polyhistorischer Publikationen näher beleuchtet werden. Eine analytische Trennung in den Textelementen zwischen Fiktion und Faktenwissen, zwischen barocker Rhetorik und Wissensspeicherung dürfte das Fundament für einen neuen Beitrag auch zur Wissenschaftsgeschichte des 17. Jahrhunderts legen.

Ein erster Schwerpunkt dieser "Quellenforschung" lag auf der Analyse von Sandrarts Übersetzungen, vor allem den Viten nach Vasari. Zudem wurden bei denjenigen Textpassagen, bei denen sich Sandrart an der antiquarischen Literatur des 17. Jahrhunderts orientierte, die Quellentexte vergleichend hinzugezogen.
Das kompilierende Verfahren in der Textgestaltung übertrug Sandrart auch auf die Kupferstiche: Götter, Priester und kultische Gegenstände der antiken Welt erscheinen - anders als in zeitgleichen antiquarischen Publikationen - nicht "freigestellt" und isoliert, sondern mit künstlerischen Mitteln für den Künstler und Kunstliebhaber neu kontextualisiert. Die weiteren Forschungen werden zeigen, inwieweit sich aus diesen Beobachtungen klarere Vorstellungen von der intendierten Leserschaft gewinnen lassen.


Le edizioni latine di Joachim von Sandrart (1680-1684)

Lucia Simonato
Emersa con chiarezza quest'anno nel corso di diversi incontri tra studiosi di distinte nazionalità (svizzeri, francesi, italiani, inglesi e americani), l'urgenza che 'Sandrart.net' diventi uno strumento di agevole conoscenza della Teutsche Academie anche per un pubblico non germanofono, ha suggerito di riconsiderare all'interno del programma il ruolo della produzione latina di Joachim von Sandrart, produzione che nell'ultimo decennio è stata 'riabilitata' ed oggi viene concordemente ritenuta parte integrante di un complesso e meditato piano editoriale promosso e finanziato dallo storiografo francofortese a partire dal 1675 fino alla morte nel 1686. Le ricerche finora condotte, sulla fortuna soprattutto settecentesca dei testi latini sandrartiani (con particolare attenzione anche ad aspetti quali il ruolo degli altri componenti della famiglia Sandrart nella redazione e diffusione dei volumi, i contatti del pittore con la 'repubblica delle lettere', l'intenso dialogo che questa particolare produzione aveva instaurato con le voci più aggiornate del panorama erudito italiano e francese), non hanno fatto altro che ribadire quanto questa produzione avesse costituito fin dal Seicento il più importante veicolo per la conoscenza in Europa della Teutsche Academie, ed hanno così offerto anche una giustificazione 'storica' alla sua introduzione all'interno del programma informatico. Pubblicati tra il 1680 e il 1684, e in gran parte costituiti da attente traduzioni dei volumi tedeschi che già erano stati dati alle stampe a Norimberga nel quinquennio precedente, gli 'Sculpturæ veteris admiranda', l''Academia nobilissimæ artis pictoriæ' e il 'Romæ antiquæ et novæ theatrum' divennero l'occasione per l'autore, ormai ultrasettantenne, di operare nuovi significativi aggiornamenti, tanto testuali (l'aggiunta di notizie su artisti francesi, veneziani, romani ed addirittura spagnoli), quanto iconografici (l'inserimento di incisioni inedite, spesso disegnate da Joachim, spesso con il coinvolgimento dei nipoti), che il programma informatico dovrà valorizzare. In previsione di un'applicazione e di uno sviluppo che occuperanno i prossimi anni, si è quindi cercato per ora di individuare le modalità più consone per integrare all'interno di 'Sandrart.net' la consultazione delle opere tedesche con quelle latine, e per offrire una fruizione in parallelo delle due fonti, che renda agevole l'individuazione tanto delle parti e delle immagini inserite 'ex novo' nelle opere latine, quanto quella delle varianti lessicali e degli aggiornamenti di stato nelle stampe operati da un'edizione all'altra. Adattando la struttura informatica che già è stata predisposta nel programma per accogliere traduzioni moderne in francese, italiano e inglese di parti della Teutsche Academie, sarà quindi possibile procedere alla completa digitalizzazione dei tre testi latini, alla revisione linguistica della loro trascrizione per adeguarla ai criteri redazionali adottati per le opere tedesche, e infine ad un'analisi puntuale dei volumi, necessaria ad individuare le tangenze con i testi giù inseriti in 'Sandrart.net' e ad impostarne il raffronto.


Antike Kunstwerke in den Vite Vasaris und in der Teutschen Academie Joachim von Sandrarts

Carolin Ott
Die Forschungen und Tätigkeiten im Rahmen des Sandrart-Projektes zielen zunächst darauf, alle von Sandrart für die Teutsche Academie gestochenen Kupferstiche in einer Kunstwerk-Datenbank zu erfassen und mit relevanten Objekten (antiken Statuen, anderen grafischen Blättern, Zeichnungen) zu verbinden. Die Bearbeitung dieses Materials wird eine Untersuchung zur Auswahl und Bewertung antiker Kunstwerke in Sandrarts Teutscher Academie begleiten, dies vor allem im Vergleich mit der wandelnden Wertschätzung antiker Werke in den Vite Vasaris, die Sandrart bekanntermaßen in reichem Umfang rezipierte.

Mit seinen 1550 und 1568 herausgegebenen Vite hatte Giorgio Vasari eine geschichtliche Übersicht über das Kunstschaffen in Italien vom 14. bis 16. Jahrhundert vorgelegt, die bis heute als wichtigste Sammlung von Künstlerbiografien dieser Zeit dient und das Verständnis der Epoche als ein Zeitalter der kulturellen Wiedergeburt der Antike nachhaltig geprägt hat. Es liegt folglich nahe, in Giorgio Vasari einen Bewunderer antiker Kunst zu vermuten und die Vite als eine wertvolle Quelle auch für die Kenntnis und Beurteilung antiker Kunstwerke in dem von Vasari berücksichtigten Zeitraum zu erachten. Ziel der 2008 an der Freien Universität Berlin vorgelegten Magisterarbeit war es, zum einen die in den Vite dargelegte Kenntnis und Beurteilung antiker Kunstwerke systematisch zu erfassen und zum anderen die daraus resultierenden Konsequenzen für die Bewertung der Künstlerleistungen und die Relevanz des Antikenstudiums zu beleuchten.

Aus einer Betrachtung der relevanten Textpassagen konnten Rückschlüsse auf Funktion und Bedeutung der Antike in Vasaris Text gezogen werden. In erster Linie nahm der Autor auf antike Werke Bezug, um den Fortschritt innerhalb seines Entwicklungsmodells zu illustrieren, wobei eine zunehmende Relativierung der anfänglichen Vorbildfunktion der Antike festzustellen ist. Trotz dieser Relativierung der Vorbildlichkeit stellt für Vasari das Studium der Antike in Rom auch zu seiner Zeit einen unverzichtbaren Bestandteil der künstlerischen Ausbildung dar.

Etwa 60 Jahre nach der Herausgabe der zweiten Fassung der Vite treibt der Wunsch, antike Skulptur und Architektur zu zeichnen, den deutschen Maler Joachim von Sandrart an, nach Rom zu reisen. Aus seiner Begeisterung für die Antike, von der zahlreiche während seines Rom-Aufenthalts entstandene Zeichnungen zeugen, erwächst eine große Wertschätzung für die antiken Hinterlassenschaften, die ihren Ausdruck unter anderem in den zahlreichen Kupferstichen findet, die der Teutschen Academie und der Iconologia Deorum (1675-1680) beigefügt sind. Für die im Rahmen des Projektes 'Sandrart.net' zu kommentierende Online-Edition von Sandrarts Teutscher Academie werden nun alle Kupferstiche dieser Bände in einem Kunstwerke-Index erfasst, wobei nicht nur die Basisdaten sowie eine Literaturauswahl bereit gestellt werden, sondern auch Abbildungen und Informationen zu den dargestellten antiken Kunstwerken, möglichen Stichvorlagen aus anderen Publikationen sowie zu Zeichnungen Sandrarts nach Antiken. Zudem werden die im Text der Teutschen Academie erwähnten antiken Kunstwerke mit Einträgen im Kunstwerke-Index erfasst. Dank einer Kooperation mit dem 'Census of Antique Works of Art and Architecture Known in the Renaissance' in Berlin erhalten diese Einträge einen Link zur 'Census'-Datenbank, über den eine rasche Konsultation detaillierter Informationen zu den entsprechenden antiken Objekten ermöglicht wird.


 

Projektmitarbeiter
Alessandro Nova
Anna Schreurs-Morét
Lucia Simonato
Julia Kleinbeck
Carolin Ott
Thomas Kirchner

Weitere Informationen
Website des Projektes

Internationale Tagung "'Aus aller Herren Länder'. Die Künstler der 'Teutschen Academie' von Joachim von Sandrart" (Frankfurt am Main, 9. - 11. Dezember 2010)

Online-Edition


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