Die Kunst der Ehe. Visuelle Codierungen von Liebe und Intimität in der Porträtmalerei des 16. Jahrhunderts
Birgit Witte Als Lorenzo Lotto im Jahre 1523 das heute in der Brera aufbewahrte Porträt des 'Messer Marsilio und seiner Braut' schuf, beschritt der Maler mit diesem spezifischen Darstellungsmodus - zumindest im norditalienischen Raum - gänzlich neue Wege. Die Bildfindung Lottos mit dem frontal auf den Betrachter ausgerichteten, im 'close-up' gezeigten Paar, der zentralen Geste der Ringübergabe und vor allem mit der Figur Amors im Hintergrund führt dabei ein diffiziles Bildprogramm vor, welches das Sujet 'Ehepaar' nicht nur aus dem Medium der sakralen Malerei ausgliedert und ihm damit einen repräsentativen, eigenen Raum verschafft. Darüber hinaus führt Lottos Darstellung vor allem auch eine neuartige Synergie von Bildformeln sowohl christlichen, aber vor allem auch antik-paganen Ursprungs aus den Bereichen der Liebes- und Ehe-Ikonographie vor. Damit stellt nicht nur der Darstellungsmodus an sich, sondern auch die Zusammenführung und Konzentration dieser Bildelemente im Bereich der Porträtmalerei ein innovatives Konzept visueller Bezüge dar, dessen Komponenten gleichwohl in der Folgezeit verstärkt sowohl aufgegriffen wie modifiziert wurden. Vor diesem Hintergrund beschäftigt sich das Dissertationsprojekt unter der Prämisse eines sich um 1500 neu formierenden Liebes- und Ehe-Diskurses, sowie den damit einhergehenden, neu formulierten Leitvorstellungen sowohl mit der Entstehung und Konzeption von Ehepaarbildnissen als auch mit den darin verhandelten Liebeskonzepten im 16. Jahrhundert. Dabei werden einerseits Fragen nach dem wechselseitigen Verhältnis des im Cinquecento intensiv geführten 'amor'-Diskurses und dem Medium Porträt gestellt. Die Umsetzung bestimmter Liebeskonzepte in und die Fruchtbarmachung dieser für die Malerei des 16. Jahrhunderts zu untersuchen, stellt dabei das zentrale Anliegen der Arbeit dar, indem das bildgenerierende Potential dieser Korrelation beleuchtet wird. Andererseits rückt so zudem eine Rekontextualisierung der Bilder unter rezeptionsästhetischen Gesichtspunkten verstärkt in den Fokus, die nach Erwartungshaltungen und Projektionen bestimmter Denkmuster seitens des Rezipienten auf die Werke fragt. Diese spezifischen Vorstellungen, die freilich ein bestimmtes, und im Italien des Cinquecento offen propagiertes, Konzept des 'self-fashioning' der Porträtierten antizipieren, bilden dabei, unter Einbeziehung des gesellschaftlichen, sozialen und politischen Gefüges Norditaliens, die Grundlage der Arbeit, die in diesem Kontext nach visuellen Codierungen von Liebe und Intimität, nach Darstellungskonzepten von Ehepaaren in der Malerei des 16. Jahrhunderts fragt.
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Projektmitarbeiter
Birgit
Witte
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