Aktuelles
Informationen
Institut
Forschung
Bibliothek
Photothek
Förderer
Presse
Allgemeines
Baumaßnahmen
Kataloge
Neuerwerbungslisten
Digitale Bibliothek
Projekte
Nachlässe
     
                 
Go to Homepage
 
Die Bibliothek entwickelt zusammen mit der Photothek Digitalisierungsprojekte, die unter dem Titel "Ausgewählte Quellen zur Kunstgeschichte und Topographie von Florenz" subsumiert werden. Gegenwärtig werden zwei Themenbereiche bearbeitet: "Florentiner Guiden ca. 1600 bis ca. 1800" sowie "Wappen Florentiner Familien und Bruderschaften". Die arbeitsorganisatorische Binnenstruktur des Projekts basiert auf einem modularen Konzept, das es erlaubt, einzelne Themenblöcke parallel zu entwickeln. Die Module sollen auch außerhalb des Kunsthistorischen Institutes auf der Grundlage von Kooperationen mit geeigneten institutionellen Partnern generiert und zuletzt in eine vereinheitlichte Konsultations- und Navigationsumgebung integriert werden.


   
Historische Guiden- und Inventarliteratur
Die Genese der kunsthistoriographisch-literarischen Gattung des Reiseführers im Sinne eines Itinerars, das sich an den kunstinteressierten Besucher einer Stadt wendet, hat in Florenz ihren Ursprung. Florenz war in der frühen Neuzeit die erste europäische Metropole, die sich dieser Form der tendenziell panegyrischen Autodeskription bediente, um dem Fremden die Schönheit und Bedeutung des Stadtbildes mit allen baulichen und künstlerischen Errungenschaften vor Augen zu führen. Gleichzeitig entwickelte sich die den Guiden verwandte Form des Inventars, das in systematischer Weise die Kunst- und Bauwerke der Stadt beschreibt, ohne der Logik eines Itinerars folgen zu wollen. Gemeinsam ist beiden Gattungen, dass ihre inhaltliche und didaktische Konzeption wie die enthaltene Bewertung der Kunst- und Bauwerke, die sich an die zur selben Zeit ebenfalls in Florenz im Entstehen begriffene Kunsthistoriographie und Künstlerbiographik anlehnt, Einblicke in die komplexen Systeme der Wahrnehmung von Kunstwerken einerseits und der Formung von Maßstäben für ihre Bewertung andererseits erlaubt. Diese Aspekte im Zusammenhang mit der Guiden- und Inventarliteratur zu untersuchen, erweist sich als ein Forschungsdesiderat, das flankierend zu der Digitalisierung des relevanten Materials verfolgt wird.

Neben der Volltextdigitalisierung und Transkription der Quellentexte, für die eine bereits weit entwickelte und probate technische Basis existiert, sollen softwareseitige Lösungen zur Analyse von Editionen-Vergleichen untersucht und an die projektspezifischen Anforderungen angepasst werden. Das MPI für Wissenschaftsgeschichte, das auf dem Gebiet der digitalen Edition historischer Quellentexte reiche Erfahrungen vorweisen kann, unterstützt das Projekt in beratender Form und hat auch Interesse gezeigt, an der Entwicklung eines Instruments zur Visualisierung editionsbedingter Variationen eines historischen Textes mitzuwirken.

Das Projekt ist dezidiert als interinstitutionelles Unternehmen angelegt. Auch wenn die Anfangsphase in der Obhut des Kunsthistorischen Institutes liegen wird, sind bereits im Vorfeld intensive Gespräche mit der Scuola Normale Superiore in Pisa sowie mit lokalen Bibliotheken und Archiven geführt worden. Die Liste der in diesem Projekt zu bearbeitenden Texte enthält mehrere hundert Titel, die sukzessive in die Textdatenbank eingearbeitet werden sollen.



  http://echo.mpiwg-berlin.mpg.de
 
Wappen Florentiner Familien, Bruderschaften und Hospitäler
Eine seit 1909 im Besitz des Kunsthistorischen Institutes befindliche Wappenkartei besteht aus mehr als 2.800 Zeichnungen von Wappen hauptsächlich Florentiner Familien. Diese einzigartige Sammlung, die in ihrem beträchtlichen Umfang in mühsamer Kleinarbeit offenbar von einem einzigen, anonymen Zeichner des späten 19. Jahrhunderts geschaffen wurde, ist ein häufig konsultiertes Instrument zur Identifizierung von Wappen, die sich etwa an Palastfassaden, Grabmälern oder Altarbildern befinden können.

Die erste Phase des 2005 begonnenen Projekts umfasst die Digitalisierung des Konvoluts an Wappenzeichnungen sowie eine internationalen Standards der Heraldik entsprechende Beschreibung der Wappen (Blasonierung). Die auf diese Weise generierten Begriffe werden zusammen mit den Familiennamen und weiteren Informationen indiziert und in eine Datenbankstruktur integriert, auf deren Grundlage eine entsprechende Recherche möglich sein wird.

Ein über bisherige Navigationsmöglichkeiten in Bilddatenbanken hinausgehendes Instrument wird in Zusammenarbeit mit dem Istituto di scienza e tecnologia dell'Informazione (ISTI) des Consiglio Nazionale di Ricerca (CNR) in Pisa entwickelt: die computergestützte Bilderkennung als Suchoption. Neben der verbalen Indexierung, die das Auffinden der Wappen in der Datenbank unter vielfältigen inhaltlichen Kategorien sichert, wird eine Software zur Bilderkennung für das Wappenprojekt angepasst. Dabei werden die digitalisierten Bilder automatisch in dezidierte Bildfelder zerlegt, die mit Hilfe eines Algorithmus mit ähnlichen Feldern anderer Bilder abgeglichen wird. Das Ergebnis liefert das Ranking der höchsten Ähnlichkeit. Das Kunsthistorische Institut wird auf der Grundlage dieser neuen Variante der visuellen Analyse von Bildern die eigenen Forschungen in geeigneten Fällen entsprechend ausrichten bzw. neue Forschungsfelder erst überhaupt erschließen.



   
Translatio nummorum - Die Aneignung der antiken Kultur durch Antiquare der Renaissance im Medium der Münzen
In der Epoche des Renaissance-Humanismus waren antike Münzen nicht nur bevorzugte Sammelobjekte, sondern sie spielten auch bei der Wiederentdeckung der antiken Kultur eine wichtige Rolle. Der große Quellenwert antiker Münzen für historische, archäologische, geographische, mythologie- und ideengeschichtliche sowie kunsthistorische Forschungen wurde erstmals von den Humanisten erkannt; von hier nahm die Numismatik als eigene wissenschaftliche Disziplin ihren Ausgangspunkt.

Zwecks einer vertieften Erforschung antiker Münzen im Kontext ihrer Rezeption durch Antiquare der frühen Neuzeit haben sich das Kunsthistorische Institut in Florenz (Max-Planck-Institut), das Münzkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin (Stiftung Preußischer Kulturbesitz) und der Census of Antique Works of Art and Architecture Known in the Renaissance (Humboldt-Universität Berlin / Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften) zu dem vom BMBF (Förderrichtlinie "Übersetzungsfunktion der Geisteswissenschaft") geförderten, interdisziplinären Projekt "translatio nummorum – Die Aneignung der antiken Kultur durch Antiquare der Renaissance im Medium der Münzen" zusammengeschlossen. Ziel dieser Initiative ist es, in einer vergleichenden Analyse die Rolle der antiken Münzen bei der Erforschung, Interpretation und (Re-)Konstruktion der antiken Kultur und Geschichte (in diesem Fall von 49 vor bis 96 nach Christus) im Geiste des Humanismus zu beleuchten.

Das Projekt basiert auf drei konzeptionellen Elementen:
1. Bereitstellung der relevanten literarischen und bildlichen
    Quellen in Form eines digitalen Kompendiums
2. Erstellung einer Datenbank mit Abbildungen und
    eingehenden wissenschaftlichen Beschreibungen
    der Originalmünzen (soweit überliefert)
3. Auswertung und Interpretation sowie Vernetzung der
    Quellen und Artefakte im Kontext des Census-Projekts

Das Kunsthistorische Institut in Florenz verfügt über eine Reihe der wichtigsten numismatischen Bücher des 16. und frühen 17. Jahrhunderts, die sukzessiv digitalisiert, transkribiert und als digitale Sammlung mit einer virtuellen Forschungsumgebung zur freien Konsultation ins Netz gestellt werden. Mit dieser Aufbereitung der Bestände des Florentiner Institutes wird der Nukleus einer elektronischen Bibliothek der historischen Münzliteratur geschaffen, ein "Digitales Corpus der antiquarischen Literatur zu antiken Münzen in der frühen Neuzeit", das im Rahmen des Projektes durch weitere Werke aus anderen Bibliotheken ergänzt und auch in Zukunft mit den bewährten Instrumenten weiter ausgebaut und vervollständigt werden soll.

Das Münzkabinett Berlin (http://www.smb.museum/ikmk) trägt als größte Münzsammlung in Deutschland mit seinen Beständen die Originale zu dem Projekt bei und bietet damit die Verifizierung der literarischen Überlieferung. Es bestimmt, beschreibt und fotografiert seinen Münzbestand von Caesar bis Domitian und stellt ihn im Interaktiven Katalog (IKMK) online.

Im Census-Projekt (http://census.bbaw.de/easydb/) erfolgt die Verbindung der vom KHI digitalisierten numismatischen Literatur des 16. und beginnenden 17. Jahrhunderts mit den entsprechend verifizierbaren antiken Münztypen aus dem Münzkabinett Berlin. Durch die Einspeisung dieses Text- und Bildmaterials in die bereits existierende Datenbank des Census wird gleichzeitig eine Verknüpfung mit parallelen Zeitzeugnissen anderer Gattungen erreicht.

Das Projekt ist auf eine Laufzeit von insgesamt drei Jahren konzipiert (Beginn April 2009). Es wird von Workshops und Vorträgen begleitet und soll 2012 mit einer Sonderausstellung im Bodemuseum in Berlin abgeschlossen werden. Eine sukzessive Erweiterung des geschaffenen virtuellen Kompendiums an Quellen, Originalwerken sowie Daten zu ihrer Interpretation über den Projektrahmen hinaus ist dezidiert beabsichtigt.



   
PRO FIRENZE FUTURISTA - Digitales Archiv zum Futurismus in Florenz
Im Februar 2010 präsentierte die Bibliothek des Kunsthistorischen Institutes in Florenz - Max-Planck-Institut das Projekt einer Website zum italienischen Futurismus, mit welcher - am Ende der Hundertjahrfeier des futuristischen Gründungsmanifestes - bisher schwer zugängliche Forschungsmaterialien erstmals online und kostenfrei zur Verfügung gestellt werden sollen. Sie versteht sich darüber hinausgehend als offene Plattform für weiterführende Beiträge zum italienischen Futurismus mit Schwerpunkt auf Florenz.

Den Nukleus der Datenbank bildet die Volltextdigitalisierung der Florentiner Zeitschrift 'L'Italia Futurista', erschienen in 51 Ausgaben zwischen 1916 und 1918 als Organ des sogenannten 2. Florentiner Futurismus und als Publikationsort u.a. von Beiträgen des Gründungsvaters der futuristischen Bewegung, Filippo Tommaso Marinetti. Der Großteil der Ausgaben ist von der Biblioteca Marucelliana zur Verfügung gestellt worden, die das Projekt als Partner unterstützt. Ergänzt wird dies durch eine Auswahl an Dokumenten - Briefe, Bücher, Fotografien, Theaterlibretti, Zeichnungen, Film- und Audiomaterialien - zu einzelnen Künstlern, Dichtern und Intellektuellen, die an der Gestaltung der Zeitschrift und an der avantgardistischen Entwicklung in Florenz beteiligt waren. All diese Materialien werden ebenfalls in digitalisierter Form zur Verfügung gestellt und sollen untereinander sowie mit weiterführenden Informationen (z. B. zu den einzelnen Personen und Orten) verknüpft werden. Auf einem interaktiven Stadtplan werden die Wirkungsstätten der Florentiner Futuristen aufgezeigt. Die Datenbank ist nach Personen und Orten als auch nach inhaltlichen Schlagworten in deutscher, italienischer und englischer Sprache recherchierbar. Geplant ist außerdem die Anwendung einer automatischen Texterkennung (OCR), welche die systematische Erschließung des zur Verfügung gestellten Textmaterials zusätzlich unterstützt. Darüber hinaus wird die Website Themenportale anbieten, in denen Dokumente zu ausgewählten Themen gebündelt bereitgestellt werden, so zum Beispiel zu der englischen Dichterin und Künstlerin Mina Loy. Sie frequentierte die Gruppe junger Futuristen um die Zeitschrift 'Lacerba' und wurde nach ihrem Aufenthalt in Florenz als Botschafterin des Futurismus in den USA gefeiert. In Italien ist Mina Loy jedoch kaum bekannt.

Im Rahmen des Projektes werden kontinuierlich wichtige und seltene futuristische Publikationen aus den Rariora-Beständen der Bibliothek des Kunsthistorischen Institutes in Florenz digitalisiert und für die Online-Konsultation aufbereitet. Vorgesehen ist zudem eine Verlinkung mit externen Internet-Datenbanken, die weiteres Material zum Futurismus bereitstellen. Die Datenbank ist in einer flexiblen Struktur angelegt, welche ihre sukzessive Ergänzung und Erweiterung erlaubt. Für das Projekt konnten bisher neben der Biblioteca Marucelliana auch die Fondazione Primo Conti, das Gabinetto Scientifico Letterario G.P. Vieussieux, die Fondazione Longhi sowie Maestro Daniele Lombardi als Partner gewonnen werden. Die Projektleitung ist an der Gewinnung weiterer Partner interessiert, die den Aufbau des digitalen Archivs unterstützen.



   
Seite drucken
 
Go to MPG Homepage